Deutsch

Differdingen, 11. Oktober 1937

Liebste Schwester, Schwager und Kinder!

Die letzte Woche erhielt ich eine Karte, geschrieben von Schwester Donata auf dem Ocean Atlantic, auf der Reise nach Rom. Am 30. September kamen sie in Neapel an, von wo aus sie nach Rom reisten. Das machte mir sehr viele Freude zu wissen, daß unsere gute Schwester das große Glück hat in Rom zu sein, wo sie so viele Heiligtümer und gewiß auch den heiligen Vater Papst Pius XI zu sehen bekommt.

Cousin J. Peter, Pater Ries hatte mir es schon im Juli mitgeteilt. Er hatte Schwester Donata während der Vakanz auf einer Durchreise gesehen und war froh, mir es zu melden. Nur wußte ich nicht, daß sie erst im September von dort abreisen würde, sonst hätte ich auch vorher an Schwester Donata geschrieben. Ich war Ende August in der Reträte und am 6. September ging unsere Schule wieder an.

Ich war verwundert immer noch nichts von Schwester Donata zu hören und freute mich daher, als endlich ihre Karte ankam. Nur weiß ich die Adresse nicht von ihrem Mutterhaus in Rome, sonst könnte ich ihr dorthin schreiben. Sie weiß noch nicht, wie lange sie dort bleiben und wohin sie noch gehen. Wie würde ich mich freuen, wenn sie uns besuchen käme. Doch, wie Gott will, sie hat allenfalls ein großes Glück.

Schwägerin Anna hatte mir im Sommer mitgeteilt, daß du liebe Schwester und Josef, sowie Alfred und seine Frau in eine Reträd waren. Da hattet ihr eine große Gande und könnt dafür dem lieben Gott danken, ich wollte all unsere Geschwister könnten eine machen.

Ist Klein-Thérèschen noch immer so munter, hatte sie Freude in der Schule? Ihr habt gewiß nicht mehr soviel Hilfe bei der Arbeit, seit Alfred fort ist, aber die andern schaffen gewiß noch immer so tüchtig und erleichter Vater und Mutter die Arbeit. Sind Edwin und Maria allein aus der Schule oder Johny auch. Gehen Marzella, Joséphine und Theresia in dieselbe Schule. Ich sende ihnen allen einen herzlichen Gruß und Kuß und bete für euch alle.

Hattet ihr eine bessere Ernte dies Jahr? Ich war im Herbst 3 Wochen mit einer unserer Schwestern in der Vakanz zu Vospelt bei den Schwestern. Dort war es so gut ruhig und wir erholten uns gut. Ich sah auch Tante Anna von Ohn. Nikola hatte eine gute Frau, Berta ist ihr Name. Sie haben 3 Kinder. Ich glaube, die Älteste (Anita) geht seit dem Oktober zur Schule.

Nicolas Wirtgen, seine Frau und Hélène haben auch nach euch gefragt, sowie Hilgert, Koob, Mutter Susanne Berchem, Bredimus Kayl und alle die uns begegneten. Alle sind froh, etwas von euch zu hören und grüßen euch bestens.

Die Bauern hatten eine gute Ernte, etwar sehr schönes Wetter. Cousine Elise von Kehlen war uns auch besuchen gekommen, sie hält noch immer Schule in Rümelingen.

Ich habe dies Jahr 46 Kinder in der Schule, da gibt es Arbeit. Du schriebst mir noch in deinem letzten Brief, ich soll auch Oheim Frank schreiben, ich war froh, daß ich es tat. Es war gewiß ein großer Verlust für euch, den guten Oheim so schnell zu verlieren. Ich bin froh, ein Totenbild von ihm zu haben und bete oft für ihn. Wenn ihr die Adresse von Schwester Donata habt, so teilt mir sie mit, oder schreibt ihr, daß ich mich freue, daß sie das große Glück hat, in Rome zu sein.

Liebe Ketty, ich weiß, daß du dich beschwerst, zu schreiben zumal auf Deutsch, schicke nur eine Karte, daß ich weiß, wie es euch geht oder laß eines der Kinder auf Englisch schreiben. Unsere gute Mutter versteht es sehr gut. Ich lege eine Karte von meiner Schule beim vom letzten Jahr; wenn ihr schon eine habt so gebt sie einem unserer Geschwister, der sie nicht hat bei Gelegenheit, es ist die Letzte, die ich habe.

Unsere gute Mutter und alle Schwestern grüßen dich, liebe Schwester, Josef und die Kinder von Herzen besonders grüßt eine euch liebende Schwester und Schwägerin Schwester Eleuthére R.D.C.

English

Differdingen, 11.10.1937

Dearest sister, brother-in-law, and children!

Last week I received a card, written by Sister Donata on the Atlantic Ocean, on their way to Rome. On the 30.09 they arrived in Naples and from there they travelled to Rome. I enjoy it alot, knowing that our good sister has the great fortune of being in Rome where she will see so many great sanctuaries and certainly the Holy Father Pope Pius XI.

Cousin J. Peter, Father Ries already informed me in July. He saw Sister Donata during his vacancy in transit and was happy to have told me. Though I didn't know that she would only depart in September, if I did I would have written to Sister Donata earlier. At the end of August I was in spiritual retreat and on the 06.09 our school opened again.

I was surprised to not have heard anything by Sister Donata and was happy to finally having received her card. Sadly I don't know the address of her mother house in Rome though, if so I could write to her. She doesn't know how long they will be staying there and where they will go. I would be so happy if she could visit us. Though in any case, as is God's will, she has great fortune.

Sister-in-law Anna informed me in the summer that you dearest sister and Josef, and Alfred and his wife were in spiritual retreat. You all had great grace and can thank God for it, I wish our siblings could do one.

Is little Thérèschen still so chipper, was she happy in school? You sure don't have as much help anymore since Alfred is away but the others surely are still so competent and lighten mothers and fathers work.

Did Edwin and Marie go out of school alone or did Johny too? Do Marzella, Joséphine, and Theresia visit the same school? I send all of them warm greetings and kisses and I will pray for all of you.

Did you get a better harvest this year? For three weeks I was in Vospelt, where the other sisters are, in the fall with another sister in vacancy. It was so very calm there and we got a good rest. I also saw aunt Anna von Ohn. Nikola has a good wife, Berta is her name. They have three children. I think the oldest (Anita) goes to school since October.

Nicolas Wirtgen, his wife, and Hélène also asked for you, aswell as Hilgert, Koob, Mother Susanne Berchem, Bredimus Kayl, and all that we came across. All are happy to have heard something from you and send their best greetings to you.

The farmers had a good harvest, some very good weather. Cousin Elise von Kehlen also visited us, she still teaches in Rümelingen.

I have 46 children in school this year so alot of work. In your last letter you wrote that I should write to uncle Frank, I am glad I did. It certainly is a great loss to all of you, to have lost the great uncle so quickly. I am so glad to have an In memoriam card of him and pray for him many times. If you know the address of Sister Donata, tell me or write to her, that I am happy for her to have the great fortune of being in Rome.

Dear Ketty, I know that you are complaining that you have to write, especially in German, just send me a card so I know how you all are or let one of the children write in English. Our good mother understands it very well. I attached a card of my school from last year, if you already have one, give one to our siblings on occasion, it's the last one I have.

Our good mother and all sisters send their greetings to you dear sister, Josef, and children. A with all her heart loving sister and sister-in-law Sister Eleuthére R.D.C. sends her greetings.


Deutsch

Fliessem, den 27.4.1950

Lieber Cousin Josef und Familie,

Nach langem Warten auf einen Brief von Euch will ich wieder Euch schreiben. Ich denke, daß Ihr unsern Brief erhalten habt. Ihr werdet doch wohl noch recht gesund sein und den Winter gut verbracht haben. Bei uns geht es auch noch ziemlich gut. Ich hatte wohl wie man hier sagt die Grippe. Es ist wohl besser aber immer noch etwas Husten ist zurück geblieben. Hier sind viele Leute an der Grippe erkrankt. Das macht die schlechte Witterung. Denkt doch nur Gestern und heute herrscht hier winterliches Wetter. Es schneit und stürmt die ganze Zeit. Bei Euch wird wohl herrliches Frühlingswetter sein und alles in voller Blüte stehen. Wir wollen hoffen, daß dieses Jahr ein besseres für uns wird. Hier geht es auch etwas besser, aber wir müssen noch auf manches verzichten, denn es ist alles fürchterlich teuer u. das Geld ist sehr knapp bei uns. Man hat kein Verdienst und die hohen Steuern müssen bezahlt werden. Ihr schreibt von den vielen Lebensmittel, die nach Deutschland geschickt wurden. Wir haben aber noch nicht das geringste bekommen davon. Nur von unsern Verwandten hier zu Besuch.

Jetzt kommen so viele aus Amerika nach hier zu Besuch. Es würde uns freuen, wenn wir auch einmal von dort Besuch bekämen. Augenblicklich ist eine Frau hier auf Besuch bei ihren Verwandten. Auch soll in den nächsten Tagen ein Pastor aus dem Staate Kansas nach hier kommen. Er ist auf einer Pilgerreise nach Rom und besucht hier Bekannte. Vielleicht kann ich mit ihm sprechen u. werde Euch dann darüber schreiben. Nun habe ich Euch soweit alles geschrieben und hoffe, daß dieser Brief euch gesund antrifft. Ich denke aber, daß ihr auch dann bald nach hier schreibt. Sobald es besser wird mit dem Wetter, lassen wir uns ein Bild machen von unserer Familie und schicken Euch dann auch eins.

Zum Schluss kommend wünsche ich euch Gottes Segen bei Eurer Familie und seid recht herzlich gegrüßt von Cousin Johann und der ganzen Familie Neises

English

Fliessem, 27th of April 1950

Dear cousin Josef and family,

After waiting for your letter for a long time I want to write you again. I think that you received our letter. You must still be rather healthy and have spent the winter well. We are still quite well as well. I had what we call here influenza. It's apparently better but a cough remains. Many people here got sick with influenza. That's because of the bad weather. Just imagine, yesterday and today there was winter-like weather here. It snows and storms all the time. You will probably have wonderful spring weather and everything will be in full bloom. We hope that this year will be better for us. We are doing a little better, but we have to forgo some things, because everything is horribly expensive and money is very short. One has no income and still has to pay high taxes. You write about all the food that was sent to Germany. We have not received even the smallest part of it. Only from our relatives who visited.

Now many people from the US are coming to visit. It would be nice if we could be visited too. Right now there is a woman here who is visiting her relatives. And within the next days, a pastor from the state of Kansas will come here. He is on a pilgrimage to Rome and visits acquaintances here. Maybe I can talk to him and write to you about it. Now I have written everything and hope that this letter finds you well. I do believe that you will write us soon though. As soon as the weather gets better, we'll get a picture taken of the family and send you one as well.

In the end I wish you God's blessings for your family and best wishes from cousin Johann and all of family Neises